
Was braucht zukunftsfähiges Lernen – und wie entsteht der Raum dafür? Diese Frage stand im Zentrum der Fachtagung Labor Schulraum am 9. September 2026 am Swiss Center for Design and Health (SCDH) in Nidau. Fachleute aus Schulentwicklung, Architektur, Planung, Forschung und Gestaltung kamen zusammen, um voneinander zu lernen, Perspektiven auszutauschen und neue Impulse für die Schule und ihre Räume von morgen zu gewinnen. Im Austausch wurde deutlich: Zukunftsfähiger Schulraum entsteht nicht isoliert. Er entsteht dort, wo unterschiedliche Perspektiven früh zusammenkommen und gemeinsam weiterdenken.
Wenn Schule sich verändert, muss sich auch der Raum verändern
Den Auftakt der Fachtagung machte Stefan Ruppaner, Rektor a. D. der Alemannenschule Wutöschingen und Autor des Buchs «Das könnte Schule machen».
In seiner Keynote sprach er über gesellschaftlichen Wandel, zukünftige Kompetenzen und neue Anforderungen an Bildung, gab Einblicke in den Bildungsansatz der Alemannenschule und zeigte auf, wie eng pädagogische Entwicklung und die Gestaltung von Schule miteinander verbunden sind. Damit war eine zentrale Frage des Tages gesetzt: Wie muss sich Schule entwickeln, damit Lernen auch in Zukunft gelingen kann?
Die Antwort lässt sich nicht allein aus pädagogischer Sicht geben. Neue Lernformen, veränderte organisatorische Strukturen und gesellschaftliche Entwicklungen haben Auswirkungen auf den Raum – und umgekehrt. Schulraum und Schulentwicklung sind deshalb eng miteinander verbunden. Diese Verbindung wurde im ersten Labor vertieft: Stefan Gander und Niklaus Oppliger zeigten anhand von Praxisbeispielen, wie Schulraumentwicklung über die reine Flächenerweiterung hinausgehen und zum Impuls für die Entwicklung der gesamten Schule werden kann.
Guter Schulraum beginnt nicht mit einem Grundriss. Er beginnt mit dem Dialog.
Wenn Schule sich verändert
Labor 1 «Schulentwicklung» nahm das Zusammenspiel von Schulentwicklung und räumlicher Veränderung in den Blick. Stefan Gander und Niklaus Oppliger zeigten anhand von Praxisbeispielen, wie Schulentwicklung und räumliche Veränderung zusammenspielen können. Eine Schulraumerweiterung kann dabei weit mehr sein als die Schaffung zusätzlicher Fläche: Sie kann zum Anlass werden, eine Schule als Organisation weiterzuentwickeln, eine gemeinsame Vision zu formulieren und Veränderungsprozesse bewusst zu gestalten.
Anhand konkreter Beispiele wurden Erfolgsfaktoren und Hürden von Veränderungsprozessen sowie der Weg von der Vision zur konkreten Projektorganisation beleuchtet. In Gruppen vertieften die Teilnehmenden zentrale Fragen und setzten sich damit auseinander, wie pädagogische, organisatorische und räumliche Anforderungen zusammenspielen.
Dabei wurde deutlich: Schulentwicklung ist eine gemeinsame Aufgabe. Sie braucht unterschiedliche Perspektiven und gelingt dort, wo Beteiligte früh zusammenkommen, eine gemeinsame Vision entwickeln und Veränderung aktiv gestalten.
Vom Bedarf zur Planung
Doch wie wird aus einer gemeinsamen Vision ein konkretes Schulbauprojekt? Diese Frage stand im Labor 2 «Schulraumentwicklung» im Mittelpunkt. Katharina Lenggenhager und Cédric Perrenoud richteten den Blick auf die Schulraumentwicklung als Disziplin und Methode – von der Bestandes- und Bedarfsanalyse über erste strategische Überlegungen bis zur konkreten Umsetzung.
Im Fokus standen unter anderem das Phasenmodell nach SIA, die Vorgehensweisen und Inhalte der Phasen 0 bis 2 sowie Grundlagen zur Qualitätssicherung erfolgreicher Schulbauprojekte. Auch partizipative Prozesse, Empfehlungen, Richtlinien und Gesetze sowie politische Prozesse wurden thematisiert.
Dabei zeigte sich, wie entscheidend die frühen Projektphasen sind. Denn Beteiligung will gut gestaltet sein: Welche Nutzergruppen werden wann und wie einbezogen? Welche Fragen gehören in welche Projektphase? Und wie gelingt es, auch die Übergangs- und Nutzungsphase mitzudenken?
Partizipation bedeutet dabei nicht, möglichst viele Menschen möglichst früh zu allem zu befragen. Entscheidend ist vielmehr, die richtigen Fragen zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Beteiligten zu bearbeiten. Solche Prozesse brauchen Zeit – und Menschen, die sie mit hoher fachlicher und sozialer Kompetenz führen und begleiten.
Schulraumentwicklung verbindet damit strategische Planung mit den konkreten Bedürfnissen einer Schule. Sie schafft den Rahmen dafür, dass aus unterschiedlichen Anforderungen ein gemeinsamer Weg entstehen kann.
Wie Raumgestaltung Lernen beeinflusst
Im Labor 3 «Schulraumgestaltung» wurde schliesslich unmittelbar erfahrbar, welchen Einfluss die gebaute Umgebung auf Lernen, Wohlbefinden und soziale Interaktion haben kann.
Im Living Lab des Swiss Center for Design and Health konnten räumliche Situationen auf Simulationsflächen im Massstab 1:1 erlebt und miteinander verglichen werden. Die Wirkung von Licht, Akustik, Materialität und Raumstruktur blieb dadurch nicht abstrakt, sondern wurde unmittelbar erfahrbar.
Caroline Spirig, Patrick Müller, Minou Afzali, Linda Ficco und David Wollschlegel brachten dabei unterschiedliche Perspektiven aus Pädagogik, Psychologie, Architektur, Forschung und Gestaltung zusammen. Im Mittelpunkt stand der Raum als «dritter Pädagoge» – und damit die Frage, wie die gebaute Umgebung das Lernen und Wohlbefinden beeinflusst.
Gerade die Verbindung von Forschung und konkretem Erleben machte sichtbar, dass Raumgestaltung mehr ist als eine Frage der Ästhetik. Licht, Akustik, Material und Raumstruktur prägen, wie ein Raum wahrgenommen und genutzt wird.
So wurde greifbar, was zukunftsfähige Lernräume ausmacht: Sie entstehen dort, wo pädagogisches Wissen, Forschung, Architektur und Gestaltung zusammenkommen und gemeinsam in konkrete räumliche Gestaltung übersetzt werden.
Drei Labore, eine gemeinsame Erkenntnis
Die drei Labore beleuchteten Schulentwicklung, Schulraumentwicklung und Schulraumgestaltung aus unterschiedlichen Perspektiven. Dabei wurde deutlich: Die drei Bereiche lassen sich nicht unabhängig voneinander betrachten – sie greifen ineinander.
Eine Schule entwickelt sich – und mit ihr verändern sich ihre räumlichen Bedürfnisse. Die Schulraumentwicklung nimmt diese Bedürfnisse auf und übersetzt sie in einen strukturierten Planungsprozess. Die Schulraumgestaltung schafft schliesslich Räume, die pädagogische Konzepte unterstützen und unterschiedliche Formen des Lernens ermöglichen.
Über die drei Labore hinweg entstand so ein gemeinsames Bild: Zukunftsfähiger Schulraum entsteht dort, wo unterschiedliche Perspektiven früh zusammenkommen und miteinander in Dialog treten.
Emilio Melliger, CEO der MAKK AG und Initiant des Labor Schulraum, brachte diesen Gedanken auf den Punkt:
«Es geht nicht darum, bereits alle Antworten zu kennen. Es geht darum, frühzeitig zuzuhören, Bedürfnisse zu verstehen, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam weiterzudenken.»
Das Labor Schulraum wollte deshalb bewusst keine fertigen Antworten liefern. Vielmehr ging es darum, Gedankenanstösse zu geben, neue Blickwinkel zu eröffnen und Verbindungen zwischen unterschiedlichen Fachbereichen herzustellen. Die Fachtagung wurde damit ein Ort des Austauschs, des Erprobens und des gemeinsamen Weiterdenkens.
Das Labor hat begonnen. Jetzt gilt es, gemeinsam weiterzudenken.
Mit der Fachtagung ist der Austausch nicht zu Ende. Das Labor Schulraum schafft einen Raum, in dem Pädagogik, Schulentwicklung, Schulraumentwicklung, Architektur, Planung, Forschung und Gestaltung ihre unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen zusammenbringen. Gerade im Zusammenspiel dieser Disziplinen werden neue Fragen sichtbar und Zusammenhänge greifbar, die innerhalb einzelner Fachbereiche leicht verborgen bleiben.
Denn die Herausforderungen rund um den Schulraum sind komplex. Umso wichtiger ist es, Wissen nicht nebeneinanderstehen zu lassen, sondern miteinander zu verbinden.
Daran möchte MAKK anknüpfen: Weitere Fachtagungen, Workshops, Roundtables und andere Austauschformate sind bereits in Planung. Sie sollen den Dialog weiterführen, neue Impulse geben und Raum für gemeinsame Fragen und Erfahrungen schaffen.
Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Erkenntnisse des Tages:
Guter Schulraum entsteht nicht alleine. Er entsteht miteinander.
















