30.11.2016 Arbeitssicherheit, Gesundheit, Leitern

Der gefährlichste Job der Schweiz

Obwohl Sie nicht bei rauer und eiskalter See nach Fischen fangen, mit Lastwagen über zugefrorene Seen fahren oder Buschauffeur in Guatemala sind, kann es gut sein, dass Ihre Arbeit ein enormes Risiko bietet: Treppen und Leitern. Wieso dem so ist und was man daran ändern kann, lesen Sie hier.

Albert Keel

Vor ein paar Wochen machten die Schülerinnen und Schüler des kleinen chinesischen Dörfchens Atule’er von sich reden. Denn sie haben den gefährlichsten Schulweg der Welt. Ganze 800 Höhenmeter müssen sie über eine behelfsmässige Leiter in die Tiefe klettern, um am Schulunterricht teilnehmen zu können. Nun wurde die teils lebensbedrohliche Holztreppe an gewissen Punkten durch eine Metallkonstruktion ersetzt. Aber auch diese Massnahme wird aus dem Schulweg keinen Spaziergang machen.

In der Schweiz müssen wir uns zum Glück nicht mit solch gefährlichen Schulwegen beschäftigen. Aber auch hier ist Gefahr gross, dass Sie sich bei der Arbeit mit einer Leiter oder Treppen verletzen. Die SUVA-Statistiken zeigen, dass rund 13’000 Personen jährlich bei Treppentritten und Leitern aus- oder abgleiten. Bei etwas weniger als 10% dieser Personen ist der Unfall auf die Witterung zurück zu führen.

Wir wissen, dass diese Unfallzahl um ein vielfaches verkleinert werden kann, wenn man auf das richtige Material und Know-how setzt.

Obwohl man sowohl im Privat- als auch im Arbeitsumfeld gerne Leitern benutzt, ist fast niemandem bewusst, wie gefährlich die praktischen Helfer sein können. Oft geschehen Unfälle, weil die Leitern defekt sind, unzweckmässig eingesetzt werden oder den Benutzern einfach nicht mehr Bewusst ist, wo die Gefahren lauern.

Die häufigsten Mängel bei Leitern sind:

  • provisorische Verlängerungen der Holme
  • aufgenagelte Sprossen
  • gebrochene Sprossen
  • gespaltene Holme
  • fehlende Sprossen
  • beschädigte Holme

Wenn solche Mängel auch bei Ihren Leitern auftauchen, sollten Sie sich unbedingt an einen Fachmann wenden, damit die Leitern repariert werden können.

Die SUVA hat zu diesem Thema eine Broschüre zusammengestellt. Die wichtigsten Tipps haben wir für Sie hier zusammengefügt:

  • Leitern sind sicherheitskonform, wenn sie der Europäischen Norm EN131 entsprechen.
  • Bei doppelseitig besteigbaren Sprossenbockleitern muss darauf geachtet werden, dass die drei obersten Sprossen im Einsatz nicht benutzt werden, um der Leiter genügend Halt zu geben.
  • Leitern sollten nur auf ebenen und genügend widerstandsfähigen sowie gleitsicheren Unterlagen aufgestellt werden.
  • Anlegeleitern dürfen nur an sichere Stützpunkte angelegt werden.
  • Bei einem Anstellwinkel von ca. 70° sind Anlegeleitern am sichersten.
  • Beim Aufstellen von Bockleitern muss die Spreizsicherung wirksam werden.
  • Der Leiterfuss muss gegen ein Wegrutschen gesichert werden.
  • Eine Leiter wird immer so begangen, dass das Gesicht der Leiter zugewandt ist.
  • Eine Leiter wird nur mit gutem Schuhwerk und gleitsicheren Sohlen betreten.
  • Auf einer Leiter werden nur leichte Arbeiten ausgeführt – es handelt sich schliesslich um einen provisorischen Aufstieg.

Leitern sind und bleiben die praktischen Alltagshelfer. Mit dem richtigen Einsatz und etwas Know-how können auch Sie Arbeitsunfälle vermeiden und mit uns dafür sorgen, dass Treppen und Leitern nicht mehr länger die gefährlichsten Arbeitsgeräte der Schweiz bleiben.